Seit 14 Jahren Balmer von Susanne und Samuel Bärtschi


Walter Hofstetter (Lehrer, Gründer der Heilpädagogischen Vereinigung Rapperswil-Jona) legte den nur 750 m2 kleinen Rebberg Balm 1975  an. Er liess den steilen Abhang terrassieren, pflanzte in darauf folgenden Jahren Riesling x Sylvaner - Reben an und bewirtschaftete dann seinen Rebberg mit viel Liebe bis 1997. Darauf war der Rebberg während einigen Jahren verpachtet. Seit 2003 pflegen wir unsern Rebberg Balm selber. Wir erneuerten die ganze Anlage und liessen dabei alle alten Rebstöcke stehen, die Walter Hofstetter gepflanzt hatte (die meisten sind über 40 Jahre alt). Viele Rebbauern roden ihre Reben nach dem zwanzigsten Jahr, weil der Ertrag der Reben dann abnimmt und kommerziell nicht mehr lohnend ist. Die Qualität der Trauben nimmt jedoch mit dem Alter der Rebstöcke zu. Deshalb ist auf manchen Etiketten stolz die Rede von „vieilles vignes“. Der Ertrag ist von Jahr zu Jahr verschieden, durchschnittlich ernten wir 650 kg. Nach dem Wümmet bringen wir unsere Trauben zur Kelterung nach Männedorf. Schnapsbrenner Pianta aus Näfels kommt jeweils anfangs Jahr auf Stör und destilliert aus unserem Trester einen feinen "Grappa".


Bereits mehr als 130 Jahre Riesling x Sylvaner

1882 liess der Thurgauer Hermann Müller eine Neuzüchtung als Riesling x Sylvaner patentieren.
Der 1850 geborene Bäckerssohn (sein Vater hiess „der Büürlibeck“) aus Tägerwilen im Thurgau sollte eigentlich Pfarrer werden, er entschied sich aber für eine wissenschaftliche Laufbahn. Zuerst besuchte er das Lehrerseminar in Kreuzlingen am Bodensee und wurde Lehrer in Stein am Rhein. Er bildete sich dann am Poly in Zürich weiter und schloss 1872 als Fachlehrer für Naturwissenschaften ab. 1874 promovierte Hermann Müller mit „summa cum laude“ in Würzburg. 1876 wurde er zum Leiter des neu geschaffenen Instituts für Pflanzenphysiologie in Geisenheim (bei Rüdesheim am Rhein) berufen. Er nannte sich Müller-Thurgau. In Geisenheim machte Müller-Thurgau Kreuzungsversuche mit verschiedenen Rebsorten. Er wollte den Winzern in Deutschland und der Schweiz eine Sorte anbieten, welche die Qualität des grossen Rieslings mit der Widerstandskraft und der frühen Reife des Sylvaners verband. Wahrscheinlich erinnerte er sich, dass damals im familieneigenen Rebberg am Bodensee die Elbing-Trauben nur selten so reif wurden, dass sie einen trinkbaren Wein ergaben.
Nur nach wenigen Jahren hatte er die erfolgreichste Neuzüchtung der Welt geschaffen: den Riesling x Sylvaner.  Als „Mutter“ wurde Riesling und als „Vater“ Sylvaner angenommen. Müller lehnte es immer ab, die neue Rebe Müller-Thurgau zu nennen. Er selber war immer unsicher gegenüber der Elternschaft der neuen Rebe. Da sich die Kreuzung nie wieder nachvollziehen liess, gab es immer mehr auch Zweifel an der von Müller-Thurgau angegeben Kombination Riesling x Sylvaner. 1890 erhielt Müller-Thurgau das Angebot, eine Schweizerische Versuchs- und Lehranstalt in Wädenswil zu gründen. 1891 zügelte er mit seiner Familie nach Wädenswil. Aus Geisenheim liess er sich 1891 an die 150 der wertvollsten Sämlinge nachschicken. Aus diesen wurden die heute in fast allen Weinbauländern der Erde verbreiteten Riesling x Sylvaner selektiert.
In der Deutschschweiz verbreitete sich die Sorte unter dem ursprünglichen Namen Riesling x Sylvaner, In Deutschland erlebte der Riesling x Sylvaner nach dem 2. Weltkrieg einen phänomenalen Siegeszug unter dem Namen Müller-Thurgau. In den 1970er Jahren hatte die Sorte die Spitzenstellung erreicht – sowohl hinsichtlich der Anbaufläche, als auch in Bezug auf die Produktion.
Der Name Riesling x Sylvaner ist nicht glücklich gewählt, da Hermann Müller bei der Kreuzung offensichtlich ein Fehler unterlaufen war. Er hatte den Riesling nicht – wie angenommen – mit der Sylvaner-Traube gekreuzt, sondern mit der Sorte Madeleine Royale aus der Familie der Chasselas-Trauben. Dies ergaben neueste DNA–Analysen (Prof. Reinhard Töpfer, Direktor des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen).

Während den 1980er Jahren litt der Ruf der Müller-Thurgau-Traube. Es wurden zu grosse Erträge produziert und die daraus gekelterten Weine waren qualitativ nur mässig gut. Viele Winzer verringerten die Anbaufläche und wichen auf andere Traubensorten aus. Seit etwa zehn Jahren erfahren die Müller-Thurgau-Trauben einen erneuten Aufschwung. Durch eine gezielte Ertragsreduktion und sorgfältige Kelterung werden heute aus diesen Trauben hoch stehende, fruchtige und frische Weine produziert.


Unsere Etikette

 
Bei der  Gestaltung der Etikette suchten wir ein charakteristisches  Motiv für den kleinen Balmer-Rebberg: Glücklicherweise liessen sich die Starenschwärme und 'unser' Fuchs durch das Vogelschutznetz von den beliebten Besuchen im Rebberg abhalten, aber einer Amsel mussten wir gegen den Herbst hin einige Stöcke, resp. Kilogramm Trauben zum Frass überlassen, da sie trotz unserer Bemühungen immer wieder einen  Durchschlupf im Netz zu den Trauben fand. Sabine Bärtschi stiess auf die Fabel mit dem Fuchs und den Trauben und kreierte den Linolschnitt, Susi gestaltete die Etikette. Die Interpretation der hier frei nach Aesop erzählten Fabel überlassen wir unsern Weingeniessern:

Der Fuchs schlich sich an den Weinstock heran, seine Blicke hingen sehnsüchtig an den dicken, überreifen Trauben. Vorsichtig spähte er nach allen Seiten. Dann stützte er sich mit seinen Vorderpfoten gegen den Stamm, reckte kräftig seinen Körper empor und wollte mit dem Mund ein paar Trauben erwischen. Aber sie hingen zu hoch. Etwas verärgert versuchte er sein Glück noch einmal. Diesmal tat er einen gewaltigen Satz, doch er schnappte wieder nur ins Leere. Ein drittes Mal bemühte er sich und sprang aus Leibeskräften. Voller Gier haschte er nach den üppigen Trauben und streckte sich so lange dabei, dass er auf den Rücken kollerte.
Eine Amsel, die belustigt zugesehen hatte, konnte sich nicht länger beherrschen und zwischerte belustigt: „Herr Fuchs, Ihr wollt zu hoch hinaus!"
Der Fuchs biss die Zähne zusammen, rümpfte die Nase und meinte hochmütig: „Sie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben." Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zurück.